Blogeintrag: Semmelweis und das Kindbettfieber

(Februar 2024, Lesedauer ca. 2 Minuten)

Ignaz Philipp Semmelweis (geboren 1818 in Österreich-Ungarn) war Arzt und Geburtshelfer. Ihm fiel auf, dass in öffentlichen Kliniken im Vergleich zu Geburten, die nur von Hebammen begleitet wurden, sehr viel mehr Mütter am sogenannten Kindbettfieber starben.

Das Kindbettfieber ist eine Infektionskrankheit, die nach einer Geburt oder auch nach einer Fehlgeburt auftreten kann und zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung und damals meistens zum Tod der jungen Mutter führte. Dr. Semmelweis vermutete, dass mangelnde Hygiene zu den gefürchteten Komplikationen bei den Wöchnerinnen führen könnte. In den Spitälern wurden damals zu Forschungszwecken die Leichen von verstorbenen Patientinnen von den Ärzten obduziert und studiert. Die Mediziner begaben sich meist direkt aus dem Autopsiesaal zu den Gebärenden, ohne dass sie ihre Hände gewaschen hätten («mit an der Hand klebenden Cadavertheilen», wie Semmelweis schrieb). Hygiene fand man Zeitverschwendung und sie war unvereinbar mit den damals geltenden Theorien über Krankheitsursachen. Semmelweis vermutete eine Übertragung von «Leichengift» auf die Gebärenden. Die Übertragung von Bakterien war damals noch nicht bekannt.

1847/48 führte Semmelweis eine Studie unter dem Titel «Die Ätiologie, der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers» durch. Er wies seine Studenten an, vor geburtshilflichen Untersuchungen die Hände und Instrumente mit Chlorlösung zu desinfizieren. Es stellte sich heraus, dass diese Massnahme sehr wirkungsvoll war. Die Sterblichkeitsrate sank in wenigen Monaten von 12,3 auf 2 bis 3 Prozent.

Damals wie heute haben es neue und vielleicht bahnbrechende Erkenntnisse in der Medizin sehr schwer. Unter Ärzten galt Semmelweis als Nestbeschmutzer, er wurde verspottet, seine Erkenntnisse als spekulativer Unfug abgetan. Zu skandalös wäre es ja gewesen, wenn die schmutzigen Hände der Geburtshelfer zum Tode von Tausenden und Abertausenden von hilflosen Frauen und zu halbverwaisten oder auch toten Neugeborenen geführt hätten. Darum konnte nicht sein, was nicht sein durfte.

Dr. Semmelweis starb im Alter von 47 Jahren in einer Irrenanstalt in Wien unter mysteriösen  Umständen. Nachträgliche Untersuchungen und eine Exhumierung knapp 100 Jahre später deuteten auf seine willkürliche Psychiatrisierung hin, vermutlich wurde er sogar ermordet.

Im englischen Sprachraum gibt es den Begriff «Semmelweis-Reflex», der die «unmittelbare Ablehnung einer Information oder wissenschaftlichen Entdeckung ohne weitere Überlegung oder Überprüfung des Sachverhaltes» beschreibt. So kommt es auch, dass erst eine überschaubare Gruppe von studierten Medizinern das Potential der Ernährungstherapie erkannt hat und sich selber weiterbildet, zum Wohle Ihrer Patienten.

Auch Semmeweis erfuhr erst viele Jahre nach seinem Tod die Anerkennung, die er eigentlich zu Lebzeiten verdient hätte.

Herzlich,

Sandra Gatti

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