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Sandra Gatti ermittelt

MÖRDERHÖLZLI

Ein Krimi mit einem historischen Kern

Der Kriminalroman 'Mörderhölzli' basiert auf den Polizeiakten eines vor über hundert Jahren im Zürcher Weinland verübten Mordes. Das Opfer, die 21-jährige Bauerntochter Anna Müller aus Altikon (ZH) ist die Urgrosstante der Autorin Sandra Gatti geb. Müller – und der damals ungeklärte Mord damit ein Thema, das bis heute wie ein Schatten über der Familie und den beteiligten Dörfern liegt. Wenn Sandra Gatti ermittelt, tut sie das nicht zuletzt auch in eigener Sache. Doch geht es ihr nicht um die Familie, sondern um einen Kriminalroman in einer Zeit, in der Sherlock Holmes dem Genre gerade erst seine klassischen Konturen verlieh.

Die Autorin stöberte im Zürcher Staatsarchiv die umfangreichen Polizeirapporte und einige Fotos auf, um daraus einen Roman zu entwickeln, dessen Figuren und ihre Interaktion das Bild eines ländlichen Dorfes im Jahr 1906 vermitteln. Daraus entwickelt sich ein komplexes dörfliches Beziehungsnetz, in dem nachbarliche Freundschaften, Feindschaften und Rivalitäten so nahe beisammen liegen, dass bald eine ganze Reihe von Figuren Gründe hätten, ein unschuldiges junges Mädchen ins Reich der Toten zu schicken.

Sandra Gattis Plot spielt in jenen glücklichen Jahren der Belle Epoque, als sich Beziehungsnetze weder durch E-Mails oder SMS, ja nicht einmal durch ein Telefon im Dorf knüpfen und wieder zerstören liessen. Es war die Zeit, als gerade die ersten Autos viel Staub aufwirbelten und die jungen Mädchen im armen Zürcher Weinland begannen, von einem besseren und schnelleren Leben in Winterthur oder gar Zürich zu träumen.

Antagonistin des Mordopfers Anna ist Emma, die Dienstmagd des Pfarrers von Altikon. In einer brüchigen Freundschaft erleben die beiden jungen Frauen den bäuerlich geprägten Alltag im ländlichen Kanton Zürich. Unter Annas argwöhnischen Augen freundet sich Emma mit dem Handelsreisenden Simon und seinem Auto an. Aus der Freundschaft zwischen den beiden wird Liebe, die sich nach dem Mord erst zu bewähren hat.

Die schleichend verfliessende Zeit verleiht der Geschichte einen Sog, in dem sich Verdachte zu verflüchtigen und Beweise zu verwischen drohen. Nicht zuletzt die nächstliegenden Täter bleiben bis zum Schluss von der Polizei unbehelligt. So begleitet den Leser ein Gefühl der Beklemmung bis über das Ende des Buches hinaus.

Und, fast nebenbei, wird noch der alte Fall geklärt, mehr als hundert Jahre danach.